Entscheidung
Entstehung
Vorgeschichte+Anfänge
Bandgeschichte
Bandmitglieder
Politische Meinung
Gesellschaftl. Engagement
Alte Helden+andere Idole
Der "wahre" Heino
Besondere Auftritte
Discographie
Quellennachweiß
Die Bandgeschichte

1982

Den Namen „die Toten Hosen“ hatten sie sich ausgesucht, damit die Gäste ihr Geld nicht zurück verlangen konnten, wenn das Konzert mal nicht so gut war. Sie gründeten ebenfalls den „Club der Toten Hosen“, wo jeder eintreten konnte. Der einzige Haken war, dass an ein Passfoto abgeben und die Hosengröße angeben musste. Es wurde dann eine verschlissene Hose zurück geschickt und ein „Pass“ mit vertauschten Bildern. Mit diesen „Pass“ kam man dann umsonst in die Konzerte rein. Doch der Club wollte nicht „wachsen“, deswegen war er bald kein Thema mehr.

Die ersten Singles „Wir sind bereit“, Reisefieber“ und „Niemandsland“ entstanden 1982 mit viel Tempo, klangen aber nicht „so toll“. „Wir sind bereit / Jürgen Engler gibt `ne Party“ war mit 5000 Exemplaren im März 1982 erschienen. Ein Monat später wurde mit 5000 „Reisefieber“ Exemplaren nachgelegt. Ziel von ihnen war, die Charts mit Hosen-Lieder „voll zu stopfen“. Die beiden Singles wurden zwischen Soundcheck und Auftritt in Solingen in „Rudas Tonstudio“ aufgenommen, wo alles etwas lockerer „abging“ und man nicht „cash zahlen“ musste. Die Hosen sahen auf dem Cover von „Wir sind bereit“ eigentlich aus wie immer, es fehlte nur ihre Köpfe.

Auf der Rückseite hatte das Cover von „Reisefieber“ eins der ersten Live-Fotos und auf der Vorderseite ein Foto von einer Fotosession am Mettmanner Bahnhof. Das Video zu „Reisefieber“ war ihr aller erstes Video überhaupt. Aber sie waren sich gar nicht bewusst, wie wichtig ein Video für die Karriere ist. Sie dachten, es wird vielleicht einmal gespielt und dann nie wieder, wenn überhaupt. Deshalb ist es auch nicht so ganz professionell, denn sie haben vor und während dem Dreh mächtig getrunken.

Das erste Konzert fand im „Schlachthof“ in Bremen statt. Dabei wurden sie als „Die Toten Hasen“ angekündigt. Aber es hingen natürlich nicht tausende Plakate aus, sondern die meisten Fans kamen deswegen, weil sie gehört hatten, dass die „ZK“ Nachfolge Band spielen würde.

Die ersten Musikmagazine rissen sich nicht unbedingt darum, sie in ihrem Magazin aufzunehmen. Denn eigentlich war 1982 der Punk längst ausgestorben, und wer sich noch damit befasste, war einfach nur ein Depp. Die „Spex“ schrieb einmal über sie: „Keinerlei Sex-Appeal haben dagegen die Toten Hosen. Dafür erfreuen sie mit plump romantischen, verkorkstem Pop und hochnotpeinlichen Texten über selige Pennerkönige und Nordsee-Selbstmörder… Wertvoll und jugendfrei.“ (Zitat: Band Biografie „Bis zum Bittern Ende…“) Diese Kritik machte ihnen sehr zu schaffen, aber nicht wegen des Inhaltes, sonder wegen der Länge. Sie wollten auf hunderten von Zeilen „Nieder gemacht“ werden und nicht nur auf mickrigen neun.

Für sie war es eigentlich genau die richtige Zeit, mit dem Punk weiter zu machen, denn 1982 bewegte sich noch jeder zur Discomusik.

Als sie in diesem Jahr ihre erste Tour starteten, waren sie eigentlich schon längst pleite. Und trotzdem ritten sie sich immer mehr in den Schlamassel rein, denn bei Konzerten gingen dann auch schon mal Mikrofone oder Boxen kaputt. Wenn sie sich dann Anlagenteile von anderen Bands leihen mussten, gingen die meisten auch noch zu „Bruch“.

In Erding wurden sie mal über Nacht im Büro eines Jugendzentrums eingeschlossen, weil alle Angst hatten, dass sie was klauen könnten und dann abhauen würden. Doch am nächsten Tag wurden sie vergessen und mussten sich aus den 3. Stock abseilen. Aber eigentlich war die Tour eher stressig als angenehm. Sie mussten immer mit mehreren Pkws fahren, denn sie hatten keinen Bandbus. Von Roadies ganz zu schweigen. Und Gagen gab es auch nicht, zumindest nicht richtig festgelegt. Mal kriegten sie 50 Mark, mal zwei Flaschen Whiskey oder auch mal gar nichts. Und die Tour hatte ihnen ihm Endeffekt noch nicht mal eine kleine „Berühmtheit“ gebracht.

Keiner wollte bei ihnen in der erste Reihe stehen. Durch kleine Showeinlagen, wie einen Hosentausch während des Gigs oder durch einen Salto rückwärts von Campi, wurde bei manchen Gigs dann doch das Publikum etwas wärmer. Bei einem Auftritt setzten sich die Zuschauer einfach auf ihre Stühle und fanden es auch nicht schlimm, als die „Hosen“ auch im Sitzen weiter spielten. Aber zum Abschluss der Tour wurde es dann doch noch richtig gut. Sie organisierten mit ihren Fans einen Tag im „Shuttel- Service“. Das Ganze hat man sich so vorzustellen: Um Fünf Uhr nachmittags wurde auf den Oberkasseler Rheinwiesen Fußball gespielt. Dann wurde unter einer Brücke live gespielt, weil keiner sie in ihrem Laden haben wollte. Und ab Mitternacht ging es im „Jochen-Shuttle“, das ein Neunsitzer von Mercedes war, zum „Aratta“ nach Moers, wo sie noch mal spielten und als zusätzliches Erlebnis noch Isis Band „Panhandle“ dabei hatten. In der Nacht musste Jochen mehrmals durch die Gegend fahren, um alle „Opfer“ nach Hause zu bringen.

1983

Dann wurde es Zeit für „Bommerlunder“. Die Single nahmen sie zusammen mir dem inzwischen an Aids verstorbenen Schauspieler Kurt Raab auf. Die Idee für das Cover dieser Single sollte ihnen in einen Feriendorf im Sauerland kommen. Immer wenn sie eine Idee brauchten (und ihnen keine einfiel) fuhren sie zusammen weg, tranken und tobten, aber Einflüsse bekamen sie nicht. In diesem Feriendorf waren sie drei Tage, aßen die ganze Zeit Kuddels Spaghettis und hockten über ein paar Kästen Bier. Doch sie wurden eher betrunken, als dass sie eine Lösung für das Problem fanden. Und erst als sie auf dem Weg nach Düsseldorf waren, hatte einer die Idee dem Cover richtige „Flachmänner mit Bommerlunder“ zuzulegen.

Die Werbeagentur von „Bommerlunder“ schickte ihnen tatsächlich tausend Stück, die sie dann in Heimarbeit auf Trinis „Fabrik-Etage“ verpackten. Die Schnapsbrennerei allerdings stoppte das Ganze, weil sie das im Gegensatz zu der Werbeagentur überhaupt nicht gut fand. Die „Hosen“ fand es aber einfach nur toll so einen „Schwachsinn wirklich durch zuziehen“.

Die Platte verkaufte sich sehr gut, aber plötzlich kamen sich auch „Säufer“ vor, wie Brüder des Punks. Das hätten sie dann trotz der gut verkauften Platten lieber verhindert. Aber ohne diesen „BAP-artigen Sozialarbeiterton, wo die Warnung vor den Folgen gleich mit eingebaut ist.“ (Zitat: Bandbiografie „Bis zum bitteren Ende…“) Aber dann wollten sie doch nicht als Moralapostel dastehen. Es war zu dieser Zeit sowieso ein bisschen riskant zu sagen, dass man „ab und zu“ trinkt. Darauf folgten auch später das „Altbierlied“ und „Bis zum bitteren Ende“.

Im Sommer 1983 spielten sie ihre erste LP ein. Sie hatten zwar bis jetzt schon ein paar Singles raus gebracht (und mit der Letzten „Bommerlunder / Opel-Gang“ auch ein bisschen Zeit gewonnen), aber Geld hatten sie noch nicht richtig verdient. Sie schraubten erst zwei, drei Tage an den Nummern für die LP rum, als ihnen das Geld ausging. In dem Tonstudio musste man nämlich sofort bezahlen, vor allem den Produzenten Jon Caffery, der auch bei der Pistols-Platte „God save the Queen“ mitgemischt hatte und 300 DM am Tag kostete, wenn er dann mal da war.

Es wurde ein Ewiges ein und aus. Die Jungs mussten sogar einmal ohne Campi zu einem Gig nach Bremen fahren, weil Campi noch den Gesang für „Willi muss ins Heim“ im Studio abliefern musste und sie trotzdem das Geld für den Gig verdienen wollten.

Doch wäre ihnen Elton John nicht zu Hilfe gekommen, wäre die LP „Opel-Gang“ vielleicht nie so geworden, wie sie ist. Elton John kam nämlich diesen Herbst nach Deutschland und er wollte jede Menge Präsenz vor seinen Gigs haben. Also plakatierten Andi, Campi und ein paar Andere von der Plakatierfirma ganz Düsseldorf mit Plakaten zu. Dafür bekamen sie 2000 DM und die setzten sie wieder im Tonstudio in Bochum ein.

Die LP wurde dann wieder nach Trini-Logik in hoher und kostengünstiger Startauflage gepresst, nämlich 20.000 Stück. Trinis Strategie war es auch, die Bänder im Presswerk der EMI zu vervielfältigen. Denn er meinte „wenn die sehen würden, wie viel wir davon verkaufen, würden sie mal bei uns einsteigen.“ (Zitat: Bandbiografie „Bis zum bitteren Ende…“) Das klappe dann später auch auf etwas anderer Art.

Trini und Jochen schickten jede möglichen Infomaterialien, Bilder und Bänder an alle Firmen, wo sie die Adresse herkriegen konnten. Doch sie bekamen nur jede Menge Post, wo die Firmen ihnen erklärten, warum Sie sie nicht nehmen würden. „Sehr geehrter Herr Trimpop, vielen Dank für o. a. Kassette. Wir haben uns das Produkt gründlich angehört, können uns zu einer Übernahme jedoch nicht entschließen. Anliegend senden wir Ihnen das uns überlassene Material zurück. Mit freundlichen Grüßen Phonogram GmbH, Pop International, Louis Spillmann“ (27.07.1982)

„Lieber Jochen, nach eingehender Prüfung des vorliegenden Single-Materials und nach Besuch des Konzertes in der Markthalle muss ich dir leider mitteilen, dass wir von einer Übernahme der TOTEN HOSEN – Produkte absehen möchten. Unserer Meinung nach ist die Gruppe mit Ihrer Musik und dem angesprochenen Publikum bei einem kleinen, alternativen Label besser aufgehoben als bei uns. Ich bedanke mich nochmals für dein Interesse und verbleibe mit freundlichen Grüßen, Dieter Hägermann, Teldec Schallplatten GmbH“ (11.4.1983) (Zitat: Bandbiografie „Bis zum bitteren Ende…“

Also „lief so gut wie gar nix gut“. Dann kam Manfred Schmidt, der früher bei einer WDR Vorabend-Show namens „WWF-Club“ mitgemacht hatte und jetzt bei der EMI als Berater arbeitete und ganz wild darauf war neue „Acts“ zu entdecken. Er wollte sie unbedingt kennen lernen und sorgte auch dafür, dass Walter Pütz, der schon ziemlich angesehen bei der EMI war, dabei war. Und am 01.07.1983 unterschrieben sie ihren Vertrag und bekam schon mal 20.000 Mark „Tour-Support“. Für jedenfalls eine kurze Zeit waren alle glücklich.

Die EMI musste als erstes feststellen, dass sie auch nicht mehr als die „Hosen“ von den Singles „Reisefieber“ und „Bommerlunder“ verkauften und als zweites mussten sie feststellen, dass auch eine Investition von 50000 Mark ihnen nicht half. Dieses Geld sollten sie für das Bommerlunder-Video ausgeben, wobei dann ein Video raus kam, dass kein öffentlich rechtlicher Sender ausstrahlen wollte. In dem Video hat auch die damals noch unbekannte Marianne Segebrecht mitgespielt. Die Kirche, wo das Video gedrehte wurde, musste neu geweiht werden, weil während des Drehs Alkohol benutzt wurde. Aber eigentlich hatten sie nur gewonnen, denn sie hatten einen fähigen Regisseur kennen gelernt und mit Kurt Raab einen „neuen, nicht ganz unkomplizierten Freund“ dazu gewonnen.

Selbst die Spex-Redaktion fand auf einmal, dass die „Opel-Gang“ „DIE Deutsche Platte“ ist, „an der man nichts aussetzten kann. Weder zu peinlich, noch intellektuell, noch Kunst, noch verbissener Ernst. Sie hat, was viele deutsche Platten nicht haben: Humor. Keinen aufgesetzten, überspannten, albernen. Sondern schlauen. Wer bringt SOLCHE Melodien hierzulande zustande? Kaum jemand, denn niemand klaut so perfekt wie die Toten Hosen…“ (Zitat Bandbiografie: Bis zum bitteren Ende…) "niemand klaut so perfekt wie die Toten Hosen…“ (Zitat Bandbiografie: Bis zum bitteren Ende…)

Trotzdem waren manche enttäuscht, dass die Platte nicht so geworden ist, wie sie es sich von einer „Chaos-Punk-Band“ vorstellten.

Nachdem sie das Album aufgenommen hatten, machten sie wieder eine Tour, diesmal durch Italien. Wieder zu Hause spielten die „Hosen“ am Düsseldorfer Rheinufer und über hundert, zum Teil weit angereiste Fans, fuhren sogar in derselben Nacht noch mit den „Hosen“ zu einem zweiten Konzert in Moers.

Im Winter 83/ 84 brachten sie noch die Weihnachtssingle „Schöne Bescherung / Willi`s weiße Weihnacht“ heraus. Aber auch diese war zu „schnell, um zu sterben und zu langsam, um zu überleben“.

Zum Abschluss des Jahres nahmen sie mit dem New Yorker Rapper „Fab Five Freddy“ die wohl erste „Punk-meets-Rap“-Platte aller Zeiten der Musikgeschichte auf: "Hip Hop Bommi Bop", ist die Fortführung des „Bommerlunders“, war aber hoffnungslos der Zeit voraus.

1984

1984 lief alles „wie geschmiert“. Es gab nur ein paar Probleme mit den Terminen, da Breiti und Campi ihren Ersatzdienst im „Düsseldorfer Landeskrankenhaus für psychisch Kranke“ ableisten mussten. Im Februar wurden die „Hosen“ vom Goethe-Institut eingeladen, in Paris mal ein bisschen deutsche Kultur zu verbreiten.

Im März spielten sie im „Conny-Plank-Studio“ mit Kurt Raab den „Kriminaltango“ ein. Das war nicht ganz so einfach. Wenn sie Pause machen wollten, wollte Kurt Raab weiter machen und wenn sie weiter machen wollten, wollte er Pause machen. Trotzdem war er ein eingefleischter Hosen-Fan, bis Kurt Raab an dem HIV-Virus erkrankte und Jahre später daran starb. Um die „Hosen“ live zu sehen, ließ er keine Gelegenheit aus. Als er einmal gerade in München gelandet war, ging er auf ein Konzert und als „Kriminaltango“ ertönte, wollte er auf die Bühne stürmen um mitzusingen, doch die Ordner hielten ihn für einen wild gewordenen Fan.

Die EMI musste als drittes feststellen, dass in den drei Minuten vom Bommerlunder-Video ein blonder Kerl aufgetaucht war, der so aussah wie der erfolgreiche Schlagerstar Heino. Das war „Der wahre Heino“. „Der wahre Heino“ war ein Grund, warum sich die „Hosen“ von der „EMI“ trennten, aber nicht der Einzige. Hauptgrund war eine Spesenabrechnung, die nach den Aufnahmen mit dem BBC-Moderator John Peel für die Radio-Session bei der Firma eingereicht wurde. Denn die „Hosen“ mussten für diese Aufnahmen nach London reisen, aber auf Kosten der „EMI“. Dazu kamen noch die Kosten der zahlreichen Taxifahrten, die sie machten mussten, weil sie in einem „Hotelbunker“ am Stadtrand untergebracht waren und sie jeden Tag nach London fahren mussten. Das Taxi fahren machte ihnen dann auch noch so viel Spaß, dass sie sich nur noch mit dem Taxi fortbewegten. Und wäre das nicht genug gewesen, musste natürlich jeder sein eigenes Taxi haben. Und natürlich hat die „EMI“ die Taxi-Fahrten nicht freiwillig gezahlt, sonder nur, weil einer der „Hosen“ an die „Account-Nummer“ von der Firma heran kam.

1985

Schließlich wechselten sie zu „Virgin“, wo auch früher die „Sex Pistols“ unter Vertrag waren. Aber eigentlich war die „Virgin“ eher in England bekannt und in Deutschland war sie ziemlich klein.

Ihre allererste LP, die sie bei „Virgin“ veröffentlichten, war, „Unter Falscher Flagge“ und wurde von der alten Plattenfirma „EMI“ sofort gestoppt, weil das Logo von der „EMI“, ein Hund, der in ein Grammophon horcht, auf der Flagge eines Piratenschiffs als Skelett dargestellt war. Für das Cover der LP haben sich die „Hosen“ bei ca. minus 15 Grad ablichten lassen. Das Cover wird schließlich verändert. Diese Platte wurde mit dem alten Cover im „Musik Express“ als die Platte des Monats gekürt: „Etwas mehr Pop und weniger Punk und die Jungs hätten den Anflug wahrer Größe“ (Zitat: „Punkrock made in Germany“ von Andrea Müller) Und selbst bei der „Spex“ kam ihre Kritik endlich auf 63 Zeilen.

Das Video zur gleichnamigen Single wurde für eine WDR-Sendung im gleichen Still wie das Cover der LP gemacht. Fünf Piraten auf einem Schiff, mit wenig Kleidung, weil Kuddel damals dachte, dass „ein echter Pirat nicht mehr als ein Unterhemd und eine Hose tragen dürfte, auch wenn es noch so kalt ist.“ (Zitat Bandbiografie: Bis zum bitteren Ende…) Das Video wurde ausgestrahlt und dann vom WDR wieder „eingezogen“. Das neue Jahr 1985 fing also sehr gut an.

Da auch dieses Jahr die Bandkasse nicht gerade „überlief“, nahmen die „Hosen“ das Angebot von dem Filmemacher Wolfgang Büld, der auch das Bommerlunder-Video gemacht hatte, an und spielten bei seinen nächsten Film „Formel-Eins-Film“ mit. Die Idee des Films war, einen halb-ironischen Spielfilm über die „Formel 1“ – Sendung zu machen, wo über die „Teenager-Industrie schwer abgeulkt“ wurde. Sie kassierten dafür 50000 DM ein. Aber im Endeffekt wurde nicht die „Teenager-Industrie verulkt“, sonder ein ganz braver „Streifen“ gemacht. Und die ihnen versprochen anderen Bands, die mit spielten sollten, spielten auch nicht mit.

Aber dafür ging es beim Set richtig „chaotisch“ zu, denn irgendjemand hatte immer das Gefühl, seine Rolle oder Arbeit, die er machte, käme zu kurz. Für die „Hosen“ war das alles eher amüsant. Sie standen nämlich daneben und haben sich das Ganze angeschaut. Bei der Premierenfeier wurden ihnen aber erst der ganze „Schlamassel“ bewusst. Passend zum Film brachten die „Hosen“ die Mini-LP „Battle of the Bands“ raus.

Bei der damaligen „Unter Falscher Flagge“ – Tour, die im Mai 85 anfing, gab es bei 28 von 38 Konzerten Stress. Entweder gab es eine Schlägerei oder sie durften erst gar nicht spielen. Aber dass machte sie populär, denn egal wo sie auftraten, wurden sie immer erkannt.

Im September schlug ihr Weg wieder nach Ungarn und Polen für zehn Tage und neun Gigs. Da am Grenzübergang außer Faust, dem Busfahrer, keiner rüber kam, gingen sie in einen Friseurladen und ließen sich ihre bunten Haare grau färben. Sie sahen zwar ungewöhnlich aus, sie kamen aber rüber.

Im Oktober gab Trini sein letztes Konzert und verlies danach die Band. An diesem letzten Konzert im „Kölner Stollwerk“ ging es allen schlecht. Aber Trini blieb ihnen für ein paar weitere Jahre erhalten, da er zum Management der Band überging.

Bis sie ein neuen Schlagzeuger hatten, spielte für kurze Zeit Jakob Keusen am Schlagzeug, er war aber von Anfang klar, dass das nicht Dauer sein wird, da sie unterschiedliche musikalische Vorstellungen hatten.
Zu dieser Zeit wurde auch vor Gericht verhandelt, ob „der wahren Heino“ noch seinen Namen behalten durfte. Doch trotz des Einsatzes der „Hosen“ (denn sie erschienen mit blonden Perücken und schwarzer Sonnenbrille im Gerichtssaal), wurde er zu ca. 15.000 DM Geldstrafe verurteilt.

1986

Am fünften Januar 1986 wurde Jakob Keusen von Wolfgang "Wölli" Rohde abgelöst. 1987 bei der Tournee spielte er nochmals einige Gastspiele bei den Toten Hosen, nachdem Wölli sich beim Festival in Roskilde verletzt hatte, dafür musste er sich über Nacht das gesamte Repertoire der Band an und sprang kurzfristig für Wölli ein. Das wurde auch belohnt, denn sein Auftritt wurde auf dem Album Bis zum bitteren Ende veröffentlich. 1989 wurde er von einem Nachbarn, der sich von seinen Schlagzeugproben gestört fühlte, erstochen. Wölli spielte vorher bei den „Suurbiers“, eine Punk-Kapelle aus Berlin. Er sollte nur „ausprobiert“ werden. Als er aber am ersten Abend in eine „Sauferei“ verwickelt wurde und morgens mit Campi auf dem Klo war und beide „reihern“ mussten, war er schon bereits Mitglied, ohne es gewusst zu haben.

Wölli erfuhr durch Campis Schwester Beate, dass die Band einen Schlagzeuger suchte. Dabei kannte Wölli Campis Schwester Beate schon seid dem Campi elf Jahre war. Damals war Wölli schon ganz von ihm begeistert gewesen. Dadurch, dass er älter war, als die anderen, konnte er die Stelle des Schlagerzeugers gut besetzten, denn älter waren auch Trini und früher der „ZK“-Schlagzeuger Fabsi.
Mit dem neuen Schlagzeuger an Bord nahmen sie ihr drittes Album auf. Aber dieses Album war schwer zu „errichten“. Sie hatten mal wieder kaum Geld und auch keine Ideen. Obwohl sie diesmal sogar richtige Demoaufnahmen hatten, hatten sie im Endeffekt all ihre Demos kaputt gemacht und raus kam nur „wohlgefällige, ordentliche, glatte Pop-Kacke“ (Zitat Bandbiografie: Bis zum bitteren Ende…). Schließlich waren mit dem „Wort zum Sonntag“ und „Freitag der 13“ zumindest 2 Highlights auf der Platte. Diese Platte wurde schließlich „Damenwahl“ getauft.

Bei der dazugehörigen Tour zum Album wurden sie von dem Kondomhersteller „Fromms“ gesponsert. Die Tour bot auch die Möglichkeit zu beweisen, dass ihnen noch lange nicht die Luft ausgegangen war. "So lange Johnny Thunders lebt, so lange bleib ich ein Punk, so lange es was trinken gibt, dauern alle unsere Feste an", hieß es im "Wort zum Sonntag". Um dem Aufruf zur Massenkopulation in "Hofgarten" endlich ein wenig Nachdruck zu verleihen, warf die Band an jedem Abend der Tour hunderte von Kondomen ins Publikum. Das gewünschte Ergebnis blieb jedoch aus, jedenfalls für die Band. (Zitat: Bandbiographie von der Bandhomepage www.dietotenhosen.de) Einer ihrer Tour-Stopps wurde Helgoland. Das Konzert musste zwar wegen einer polizeilichen Verfügung abgesagt werden, aber die Hosen machten kurzer Hand ein Fußballspiel zusammen mit den Fans daraus. Sie hatten ungefähr drei- bis vierhundert Anhänger dabei, unter Aufsicht von mehr als zweihundert Polizisten. Die „Damenwahl“ kam im Herbst `86 heraus. Diese Platte bekam auch viele gute Kritiken.

Im Berliner „Tempodrom“ spielten sie mit neunzehn weiteren Punkbands auf der großen Abschiedsveranstaltung von dem „wahren Heino“. Alle Bands spielten ohne Gage, denn das ganze Geld sollte dem „wahren Heino“ gehören, der die Gerichtskosten von ca. 15.000 Mark bezahlen musste.

Das Anti-WAA-Festival in Burglengenfeld war ein weiteres Highlight des Jahres. Die „Hosen“ hatten hier über 100.000 Zuschauer und "waren alle selig vereint - zu den Klängen von "Ficken, Bumsen, Blasen". (Zitat: Bandbiografie von der Bandhomepage www.dietotenhosen.de)

Nun spielten sie in einer „höheren Liga“ und in größeren Hallen, zwar noch nicht die Westfalenhalle in Dortmund, aber schon in der „Zeche“ in Bochum. Aber ihre kleinen Auftrittsorte vermissten sie schon und deshalb machten sie ihre „Magical Mystery Tour“. Jeder, der wollte, konnte ihnen einen Ort nennen, wo sie vielleicht auftraten. Dafür mussten die „Gastgeber“ ihnen einen Schlafplatz, Verpflegung und die Fahrkosten erstatten.

1987

Im März ’87 bekam Campi durch Zufall eine neue Idee, für eine neue Platte: Er hatte bei der Fahrt zur Probe den Schlager „Itsy Bitsy Teenie Weenie Honolulu-Strand-Bikini“ vom „Club-Honolulu“ gehört. Die Idee war, solche Schlager im Punkstill zu covern. Dafür benannten sie sich in „Die Roten Rosen“ um.

Die Produktionskosten für zehn Tage betrugen 5000 Mark. Hits wie „½ stark“, „Im Wagen vor mir“, Alle Mädchen wollen Küssen“, „Die Sauerkraut-Polka“ oder „Wenn du mal alleine bist“ waren auf der Platte.

Nicht nur die Songs wurden gecovert, sondern auch das Cover von der „Never mind the Bollocks“ – LP von den „Pistols“. Raus kam „Never mind The Hosen – here’s die Roten Rosen“. Aber sie hatten noch nicht mit dem Virgin-Chef Udo Lange gerechnet. Denn als er die Bänder von Jochen bekommen hatte, fand er, dass die Bänder sich wie Demobänder anhörten und weigerte sich, das als „Hosen“ – Album raus zubringen. Nach einer Krisensitzung auf Mallorca beschlossen sie, die LP als eine Art Zwischenproduktion zu produzieren. Doch sie wurde die bis dahin erfolgreichste Platte. Sie stieg von 0 auf 27 in den Charts ein. Dadurch ließen sie das erste Mal für ein Album bundesweit plakatieren.

Auch die Radiosender fanden die „Schlager in Punkversion“ richtig gut.

Des Weiteren wurde in diesem Jahr ihre erste Live-Platte „Bis zum bitteren Ende“ veröffentlicht. Zusammengefasst von der 87er-Tour "Ein bunter Abend für eine schwarze Republik".

Dieses Jahr spielten sie natürlich auch wieder auf Festivals. In Garching bei München und im tschechischen in Pilsen spielten sie auf einem Festival zugunsten des Olof-Palme- Marsches für ein atomwaffenfreies Europa. Dieses Festival wurde von der „Deutschen Friedensgesellschaft / Vereinigte Kriegsgegner“ organisiert. Aber was so toll klang, war ein Desaster. Der örtliche Veranstalter bei Garching bei München veranstaltete ein riesiges Chaos. Der „Typ“, der dafür zuständig war, dass die Bands ihre Reisekosten bekamen, schnappte sich sämtliche Tageseinnahmen und verschwand.

Im Sommer fanden die große Open-Air-Auftritte statt, wo man sich beweisen musste, ob man es auch schafft, Leute dazu bringen, ihnen trotz Hitze, Durst, Currywurst, Kumpels, Mädels, Fummeln und Reden zu zuhören. Aber die „Hosen“ wurden bald Meister darin.

1988

Dann „kam Alex“. Er war der aggressive Anführer der „Bratschniks“ aus dem Anthony Burgess Klassiker „Clockwork Orange“. Zehn Jahre später hatte Stanley Kubrick die Story zu einem genialen Film verarbeitet.

Der Regisseur Bernd Schadewald hatte Campino schon in dem Film „die Verlierer“ eingesetzt und alle fünf in einem Hamburger „Tatort“ mitspielen lassen. Und schließlich fragte er die „Hosen“ ob sie auch in dem Bühnenstück von „Clockwork Orange“ mitspielen wollten. Es gab erst einige Diskussionen, ob sie wirklich auf das Angebot eingehen sollten, da aber für sie das Buch und der Film „Kult“ waren, sagten sie zu.

Insgesamt ein halbes Jahr standen sie auf der Bühne des Bonner Schauspielhauses. Zu der Aufführung brachten sie das Album „Ein kleines bisschen Horrorschau“ raus, wo 6 Lieder aus dem Stück und 6 weitere Lieder darauf waren. Sie überlegten lange, ob sie das Album überhaupt heraus bringen sollten, da sie nicht von seinen Erfolg überzeugt waren. Aber natürlich kam wieder alles anders: „Ein kleines bisschen Horrorshow“ wurde mit Platin ausgezeichnet und „Hier kommt Alex“ wurde ein richtiger Hit.
Am Ende dieses Jahres hatten sie auch die Belohnung ihrer Mühe, denn sie hatten endlich mal ein Plus auf ihrem Konto.

Nach ihren Auftritten im Bonner Spielhaus hatten sie wenige Wochen später zwei Gigs in Litauen.

Ein krönender Abschluss des Jahres waren die zwei Weihnachtsgigs zuhause in Düsseldorf. Etwa alle zwei Jahre spielen die „Hosen“ ein oder zwei Weihnachtsgigs in ihrer Heimat.

1989

Zwischen März und Mai 1989 tourten sie wieder. Für Andi war diese Tour der „Durchbruch“. Bei dieser Tour gab es die „Fortuna-Mark“, wo von jeder Karte eine Mark dem Fußballverein Fortuna-Düsseldorf gespendet wurde. Immerhin sind dabei 200.000 DM zusammen gekommen.

Wie bei jeder Tour, gab es auch bei dieser Tour Fans, die vor der Halle standen und enttäuscht waren, keine Karte mehr bekommen zu haben. Da wussten sich die „Hosen“ natürlich zu helfen und gaben für die „Übriggebliebenen“ ein extra Konzert mit drei, vier Stücken auf den Motorhauben und Dächern, der vor der Halle stehenden Autos. Sie spielten aber nicht nur in den Hallen und davor, sondern auch im Tourbus vor dem Gig und danach.

Am Datum des Mauerfalls waren die „Hosen“ gerade in Frankreich. Als sie erfuhren, dass die Mauer gefallen war, wussten sie sofort, was sie machen wollten: Sie mussten nach Berlin! Sie wollten aber nicht da hin, um „Hurra“ zu schreien, sondern um sich das einfach anzusehen, denn für sie war es unglaublich, „als ob Marsmenschen auf dem Brandenburgertor gelandet wären“.

Danach gingen sie ins Studio um ihr siebtes Album „Kreuzzug ins Glück“ zu produzieren. Obwohl sie erst Panik hatten, ob sie überhaupt eine CD mit 12, 13 Liedern zusammen kriegen würden, würde es am Ende eine Doppel-LP.

1990

Bevor die LP dann Nummer eins wurde, machte die Band im Frühjahr 1990 noch eine Fahrradtour durch die neuen Bundesländer. Immer stets dabei war der Bandbus mit den Instrumenten für „spontan“-Gigs.

Kurz darauf spielten sie als Vorband für die „Rolling Stones“ im Müngersdorfer Stadion in Köln. Doch sie selbst sahen die „Rolling Stones“ eher selten, denn deren Mitarbeiter regelten alles mit den „Hosen“.

Es folgte ein Abstecher nach Italien zur Fußball-WM, von der die „Hosen“ täglich in der „TAZ“ und für diverse Radiosender berichteten.

Dann ging es zum "New Music Seminar“ nach New York und danach machten sie ihre „Kreuzzug ins Glück“ – Tour durch die bundesdeutschen Hallen. Bei der „Horrorshow“ – Tour gab es ja schon größere Hallen, aber diesmal traten sie in den ganz großen Hallen auf.

Der vorletzte Auftritt wurde eine Katastrophe, da sie 48 Stunden vor dem Konzert nur gefeiert hatten. Als dann am Konzert Campi auf die Bühne gehen wollte, fiel er hin und Wölli konnte seine Schlagzeugsticks nicht festhalten, so dass Faust und Elmar (Busfahrer) versuchten, ihm die Sticks mit Klebeband an die Hände zu kleben, aber es nützte nichts. Nach zwanzig Minuten mussten sie das Konzert abbrechen. Aber schließlich konnten sie sich bis zum zweiten Konzert erholen. Doch ein halbes Jahr später versagten sie wieder in der Schweiz.

Am Ende der Tour waren alle richtig erschöpft. Aber vom Aufhören konnte noch nicht die Rede sein, denn sie nahmen ihre nächste LP „Learning English – Lesson one“ auf. Für dieses Album holten sie sich zahlreiche alte Helden von früher ins Boot.

1991

Die Idee entstand als sie sich in London mit ein paar alten Freunden trafen. Sie wollten mit all den „Punkrock-Legenden“ ihre besten Songs aufnehmen und auf ein Album packen. Mit von der Partie war auch Johnny Thunders. Das wurde seine letzte Aufnahme, denn kurz darauf starb er. Dass war ihm bei den Aufnahmen schon anzusehen. Die „Hosen“ haben bei jedem Künstler mitgefilmt, außer bei ihm, weil sie ihn stark zeigen wollten und nicht schwach. Sie wollten die Aufnahmen dann auch abbrechen, aber als sie von einem Freund hörten, dass Johnny sich richtig auf die Aufnahmen gefreut hatte, machten sie doch die letzten Aufnahmen mit ihm. Schließlich erschien das Album am 11.11.1991. Es wurde auch in Japan, Australien und USA veröffentlicht.

Dann kam die Zeit, wo sich ihre Einnahme von Drogen drastisch vermehrte. Sie waren auf Tour und erlebten so viel, dass sie es nicht durch Ausruhen oder Entspannen ausgleichen konnten. Und so griffen sie zu harten Drogen.

Als sie gerade auf ihrer „Learning English“ – Tour waren, kam es zum großen Knall. Abends hatten sie ihr letztes Konzert der Tour auf einem Festival im schweizerischen Frauenfeld gespielt, das ziemlich miserabel war. Ihre Vorband hatte ein so großes Feuerwerk gemacht, dass das ganze Publikum dachte, es wäre schon das Ende des Festivals gewesen.

Am Morgen darauf redeten sie endlich über ihren Drogenverbrauch, nachdem Campi am Abend vorher gesagt hatte, dass er nicht mehr mit voll gedröhnten Leuten auf Tour gehen wollte.

An diesen Morgen packte jeder mit seinem persönlichen Verbrauch aus. Was dabei raus kam, war vorsichtig ausgedrückt: katastrophal. Sie verbrauchten damals so viel, dass sie es manchmal gar nicht bezahlen konnten und dann acht- bis zwölftausend Mark nachzahlen mussten.

Dabei waren bei den Anfangszeiten des Punks Drogen, außer Alkohol, eine Todsünde. Diese Situation war ähnlich wie 1988/89, als Campino einen Stimmbandanriss hatte. Auch dieses Mal sah es nach einem möglichen Ende der „Hosen“ aus.

Sie mieteten sich zusammen ein Häuschen am Essener Baldeneysee. Jeder legte seinen derzeitigen Zustand dar und man sprach sich aus und überlegte, wie es weitergehen sollte. Dabei wurde allen klar, dass sie mit der Band noch nicht aufhören wollten. Sie wollten versuchen das Koks und das Speed wegzulassen. Natürlich haben sie nicht ganz damit aufgehört. Zumindest bei Feiern oder ähnlichem hat der eine oder andere noch mal was genommen.

1992

Im September 1992 reisten sie das erste Mal nach Buenos Aires, um dort ein paar Konzerte zu geben. Sie glauben erst nicht daran, dass sie wirklich dahin fliegen würden, da sie an die Konzerte auf ungewöhnliche Art gekommen waren. Sie hatten von Michael Reichel, einem langjährigen Hosen-Fan, ein Fax bekommen, ob sie nicht Lust hätten in Buenos Aires zu spielen und vielleicht auch noch woanders. Sie hatten noch nicht einmal daran geglaubt, dass irgendjemand da unten ist, der ihre Musik hören wollte. Als sie aber in Buenos Aires ankamen, wussten alle Bescheid. Überall hingen Plakate und in allen möglichen Zeitungen waren sie abgebildet. In manchen sogar mit Postern.

Am zweiten Abend stellten sich ca. zwanzig Skins vor die Bühne, so dass man die Gäste der Diskothek nicht mehr sehen konnte. Breiti machte dann eine Ansage, dass sie solche Leute dort nicht gebrauchen könnten und erst als vor der Disco jede Menge Polizei-Mannschaftswagen standen, zogen die Skins ab.

Als sie wieder zurück in Deutschland waren, mussten sie feststellen, dass in diesem Land Ausländer diskriminiert wurden und mittlerweile zu den untersten Kategorien zählten. Die „Hosen“ gaben eine Antwort darauf, mit der Single „Sascha… ein aufrechter Deutscher“ die im Dezember 1992 erschien. Das Geld, das bei dem Verkauf heraus kam, spendeten die „Hosen“ dem „Düsseldorfer Appell gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus“. Die erfolglosen und ebenso lächerlichen Versuche der Republikaner, das Stück verbieten zu lassen, förderte den Verkauf der Platte erst Recht und am Ende spielte die Single über eine halbe Million Mark ein. Außerdem spielten sie auch im Bonner „Hofgarten“ vor 200.000 Demonstranten und auf der Messe in Frankfurt.

1993

Nachdem drei Jahre nach dem letzten „richtigen“ Studioalbum vergangen waren, mussten sie sich 1993 wieder in den Probenraum begeben. Das neue Album sollte „Kauf mich!“ heißen. Für dieses Album kriegten sie 200.000 Vorbestellungen.

Für die Single „Wünsch dir was“ flogen sie nach New York zu dem Regisseur Hans Nelemann. Sie drehten in Brighton Beach, rings um den Vergnügungspark Coney Island. Der Dreh dauerte drei Tage. Sie mussten ca. zwanzig Mal über die alte Achterbahn fahren. Im Video sind auch so genannte „Special Talents“ zu sehen, die in Coney Island in einer „Freakshow“ auftraten.

Die eigentliche Fassung des Videos sahen nur die „Hosen“, weil es MTV zu brutal war. Es wurde 4 Mal erneuert, bis es endlich gespielt werden durfte. Als gerade „Kauf mich!“ veröffentlicht wurde, dachten sie über neue Konzerte nach. Sie hatten über die ganze Palette hindurch alles gemacht, von Magical-Mystery-Shows vor vier Leuten, über kleine Clubs, bis hin zu Stadionshows vor 60.000 Leuten, zum Beispiel im Vorprogramm von U2.

Kurz darauf brachten sie ihr erstes Best-of-Album: „Reich & Sexy“ heraus. Auf dem Album waren 20 Songs aus neun Alben und unzähligen Singles um den später hinzugewonnen Fans und Freunden einen Eindruck über die bisherigen Werke zu beschaffen. Die Idee für das Album hatten sie schon bevor sie „Kauf mich!“ heraus brachten.

1994+1995

1994 brachten sie die Best-of-Platte auch in English raus. Bei „Love, Peace and Money“ gab es einige Probleme mit dem Übersetzen der deutschen Texte ins Englische. In diesem Jahr waren somit gleich drei Platten in den Charts vertreten.

Vor insgesamt 200.000 Menschen fand die „Reich & Sexy“-Tour mit 24 ausverkauften Konzerten statt. Im Anschluss tourten sie durch ganz Europa, Südamerika, USA und Japan.

Höhepunkt war aber der Auftritt in Istanbul, bei dem 3.000 jugendliche Fans dabei waren. Sie spielten, nach der Türkei, auch in Skandinavien. Am Ende des Jahres wirkten die Hosen außerdem unter der Regie von Hanns-Christian Müller in der
300. Folge des „Tatortes“ auf der ARD mit.


1995 gründeten sie dann ihre eigene Firma, mit der Hilfe von Jürgen Otterbein. Da sie bei „Virgin“ sowieso alles selber machten und ihr Vertrag nicht verlängert wurde, hielten sie es für angebracht, sich endlich selbstständig zu machen. Sie bekamen drei große Angebote, von denen ganz klar das von Otterbein das Beste war. Obwohl es ein Risiko war, eine eigene Firma zu leiten.

Wenn ihr nächstes Album Erfolg gehabt hätte, hätten sie mehr Geld bekommen, aber wenn es gefloppt hätte, hätten sie reichlich draufzahlen müssen. Die Plattenfirma bekam den Namen „Jochens kleine Plattenfirma“ (JKP).

Die Band wollte ein neues Album produzieren, aber dabei nicht ganz vom Erdboden verschwinden. Damit dies nicht passierte, hatten sie u. a. eine eigene Radiosendung auf dem Berliner Kanal „Radio Fritz“.

Dann liefertn sie im Sommer zusammen mit einer Auswahl der „Düsseldorfer EG“ ein Eishockeyspiel ab. Doch das verlor die Band mit 10:11 gegen die „Leningrad Cowboys“ (die zusammen mit Spielern der finnischen Nationalmannschaft spielten) und das trotz wochenlangen Trainings mit dem DEG-Spieler Uli Hiemer.

Bei dem Konzert, das den Protest gegen die Einlagerung von Atommüll in Gorleben unterstützte, spielten sie mit.

Es wurde die CD „Stop Chirac“ heraus gebracht, die gegen die Atomversuche der französischen Regierung gerichtet war, inklusive dem Hosen-Titel „Tour Pour Sauver L'Amour“ (Alles nur aus Liebe). In der Maxi-CD-Box „Musik war ihr Hobby“ brachten sie ihre ersten sieben Singles noch mal heraus. Außerdem veröffentlichten sie auch von ihrem neuen Album die erste Single „Nichts bleibt für die Ewigkeit“.

Ihr Weihnachtskonzert absolvierten sie in der Düsseldorfer Justizvollzugsanstalt „Ulmer Höh“. Ein Fan wollte unbedingt ein Ticket für das Konzert haben, was aber natürlich nur für die Insassen der Justizvollzugsanstalt war. Damit er als Insasse an dem Konzert teilnehmen konnte, stieß er einen Stein in ein Geschäft in Monheim bei Düsseldorf und blieb vor dem Geschäft stehen, bis die Polizei kam. Was er nur nicht berechnet hatte, war, dass er auch in eine andere Justizvollzugsanstalt kommen könnte und genau das passierte: Er wurde nämlich nicht in die Justizvollzugsanstalt „Ulmer Höh“ gebracht, sondern in die Justizvollzugsanstalt Köln.

1996

Anfang des Jahres 1996 veröffentlichten sie das Album „Opium fürs Volk“. Große Themen des Albums waren die Kirche, Kindesmisshandlung und Drogen. Der größte Hit und die erfolgreiches Single überhaupt wurde „10 kleine Jägermeister“.

Zum Karneval nahmen sie unter dem Motto: „Wir begraben den guten Geschmack“ am Düsseldorfer Rosenmontagszug teil.

In Buenos Aires wurden die „Hosen“ und Iggy Pop, von den „Ramones“ zu ihrem Abschiedskonzert eingeladen. Die Fans versetzten die argentinische Hauptstadt tagelang in einen Ausnahmezustand.

Ihre „Ewig – währt – am – Längsten“ Tour wurde auch ein voller Erfolg. Jeden Abend boten die „Hosen“ ihren Fans eine zweieinhalbstündige Party mit Tausenden von Leuten, die mitsangen, mitfeierten und mit ihnen Spaß hatten.

Im Sommer erschien "Im Auftrag des Herrn", ihr zweites Live-Album in 14 Jahren Bandgeschichte, mit den Highlights der zu Hälfte beendeten Tour, die im Herbst fortgesetzte wurde.

1997-1999

1997 absolvierten die „Hosen“ ihr 1000 Konzert, zu dem 60.000 Fans und tolle Special-Acts kamen, wie zum Beispiel „Bad Religion“, „Goldfinger“ und die „Leningrad Cowboys“, doch das Konzert wurde nicht das Schönste, sondern das schlimmste Erlebnis ihrer Bandgeschichte. Im Gedränge vor der Bühne starb während des Konzerts ein junges Mädchen aus den Niederlanden. Auf Anraten der Polizei und der Feuerwehr, die befürchteten, dass bei einem vorzeitigen Abbruch des Konzerts ein größeres Chaos entstehen könnte, mussten die Fünf ihre Show bis zum Ende spielen. Danach sagten die „Hosen“ alle weiteren Gigs des Jahres ab.

Im Herbst erschien die Bandautobiographie „Bis zum bitteren Ende“ noch einmal als Taschenbuchausgabe, erweitert um einen Epilog. Campino erklärte dazu: „Es war uns wichtig, das Buch jetzt nicht vor den Ereignissen dieses Jahres enden zu lassen, sondern es um unsere Sicht der Dinge und um einen Dank an alle, die uns in dieser Zeit unterstützt haben, zu ergänzen.“ (Zitat: Bandhomepage www.dietotenhosen.de)


1998 wurde die Band gefragt, ob sie nicht auf der Warped-Festival-Tour mitspielen wollten. Sie sagten zu, um herauszufinden, ob sie nach dem Zwischenfall beim 1000 Konzert wieder unverkrampft spielen konnten.

In Neuseeland, Australien, Asien und auf Hawaii traten sie bei 14 Konzerten zusammen mit Bands wie „Pennywise“ und den „Mighty Mighty Bosstones“ auf.

Sie brachten die Single „Puched again“ heraus, wovon sie auch einen Videoclip produzierten, der prügelnde Polizisten auf der ganzen Welt zeigte. Außerdem gaben sie beim erneuten Protest gegen den Castro-Transport ein Konzert an der Bahnstrecke, dass sie trotz leichter Verletzungen letztendlich unbeschadet überstanden. Das Lied "Alles ist eins", welches auch auf der Single "Pushed again" war, widmenten sie dem umgekommen Mädchen aus den Niederlanden, das bei dem 1000. Konzert ums Leben gekommen war.

Für die anstehenden „Magical-Mystery“ Konzerte benannten sie sich in die „Rheinpiraten aus Düsseldorf“ um.

Als sie wieder in den Probenraum gingen, produzierten sie das nächste „Roten Rosen“ – Album „Wir warten auf’s Christkind“. Auf diesem Album sind Klassiker wie „Still, Still, Still“ oder „Ihr Kinderlein kommet“ in Punkversion. Darauf folgte eine noch viel schönere Weihnachtstour und am Ende des Jahres waren alle reif für Urlaub.


Den Urlaub absolvierten sie 1999 indem sie mit Motorrädern durch Indien fuhren. Wieder zurück, fingen sie an Songs zu schreiben, da mal wieder drei Jahre seit dem „Opium fürs Volk“ – Album ins Land gestrichen waren.

Sie bekamen das Angebot für den Film „You Are Dead“ den Titelsong zu schreiben. Da ihnen der Film sehr gut gefiel, sagten sie zu und veröffentlichten den Song auf dem Soundtrack.

Am Ende des Jahres brachten sie das Album „Unsterblich“ heraus. Die Songs entstanden teilweise in Zusammenarbeit mit Funny van Dannen. Sie stellten ihre erste Single „Schön sein“ für zwei Tage kostenlos zum Download ins Internet. Die Hosen – Homepage wurde von mehr als 100.000 Fans aus 73 Ländern, darunter die USA, Australien, Argentinien und die Kokos-Inseln, angeklickt.

Schon seit der letzten Tour litt Wölli an einem Bandscheibenvorfall und nahm sich eine Auszeit. Er blieb ein vollwertiges Mitglied der Band, wurde aber durch seinen langjährigen Schlagzeugroadie „Vom Ritchie“ ersetzt.

2000-2001

2000 machten sie nach der zweiten Singleauskopplung aus dem gleichnamigen Album „Unsterblich“, zusammen mit Freunden, Fans und Verlosungsgewinnern die „4-Tage - 4-Länder“ Tour durch Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz. Tagsüber waren sie auf der Piste und Abends machten sie ihre Konzerte in lokalen Clubs. Mit von der Partie war auch T.V. Smith.

Doch bevor sie auf die Tour gingen, spielten sie noch die Single Version von „Bayern“ ein. Bei „Bayern“ drehte sich natürlich alles um den Fußball. Der passende Videoclip zur Single wurde zusammen mit dem Regisseur Peter Thorwarth, direkt vor der eigenen Haustür gedreht. Der Drehort war die Platzanlage des Heimatvereins „Alemannia 08“ in Düsseldorf-Flingern. Dabei waren wieder jede Menge Fans und Freunde. Natürlich spielten sie auch mit und gegen die Fans.

„Warum werde ich nicht satt?“ wurde die vierte Auskopplung des Albums „Unsterblich“. Das Video wurde von Wim Wenders, einem ihrer Lieblingsregisseure, gedreht.

Dieses Jahr machten sie auch wieder Magical-Mystery Gigs unter dem Namen „Essen auf Rädern“. Während dieser Gigs spielten sie auch mal wieder nach längerer Zeit mit den „Ärzten“ zusammen.

Im März dieses Jahres machten die „Hosen“ ihrer nächste Südamerika-Tour mit Konzerten in Paraguay und Uruguay. Bei einem Konzert in Argentinien stürzte plötzlich die Bühnenkonstruktion unter ihnen zusammen. Für diesen Tag war zwar das Konzert „gelaufen“, aber am nächsten Tag holten sie das Konzert mit neuer, ausgeborgter Bühnenkonstruktion einfach nach.

Es sollte in diesem Jahr noch die „Unsterblich“ Tour folgen, die auch sehr gut anfing, doch als Campino am Pfingstsonntag bei „Rock am Ring“ auf die Bühne sprang, zog er sich einen Kreuzbandriss im linken Knie zu. Daraufhin wurde die gesamte Tour abgesagt.


2001 nahmen sie zusammen mit ihrem langjährigen Freund T.V. Smith ein Best-of-Album seiner gesamten musikalischen Laufbahn auf. Sie spielten als Background-Band die CD „Useless-The Very Best Of T.V. Smith” ein.

Als Campino dann nach seinen Kreuzbandriss wieder vollständig einsetzbar war, spielten sie auch wieder live in Deutschland. Sie spielten in kleinen Clubs in Ungarn, Tschechien und Polen und mal wieder eines ihrer „Wohnzimmerkonzerte“ bei einem Fan. Des Weiteren ergriffen sie die Chance, als „AC/DC“ eine Vorband für ihre Deutschland-Tour suchte.

Außerdem mussten sie wieder einmal ihrem Lieblingsverein „Fortuna“ helfen, da er drohte in die 4 Liga abzusteigen. Die „Hosen“ engagierten sich als Trikotsponsor und konnten damit ihren Verein in der Regionalliga halten.

Um die Aufnahmen ihres nächsten Albums „Auswärtsspiel“ einzuspielen, begaben sie sich nach Spanien. Ende November erschien vorab die erste Single des Albums „Was zählt“.

2002+2003

Im Januar 2002 erschien dann das Album. Es war ihr 16. Album und stieg in den Charts von 0 auf 1 ein.

Im Februar erschien die zweite Auskopplung aus dem Album „Kein Alkohol (ist auch keine Lösung)“.

Das Musikmagazin „Rolling Stone“ brachte die „Hosen“ und ihr Label „JKP“ auf die Titelseite mit dem Titel: „Im Headquarter der Toten Hosen“.

Zur Karnevalszeit starteten sie ihre Auswärtsspiel-Tour mit zwei tollen Konzerten in Düsseldorf. Das Frühjahr verbrachten sie in Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Während sie fleißig tourten erschien im April „Steh auf, wenn du am Boden bist“ und im Juli folgte die nächste Auskopplung „Nur zu Besuch“.

Im Sommer spielten sie neben Festivals in Finnland, Ungarn und Polen noch die „Last-Minute“ Tour. Die vier Orte der Tour waren die Zugspitze, Rottweil, Helgoland und Sylt.

Im September folgte ihre legendäre Grillparty auf der Loreley für Fans und Freunde, ein Wochenende lang. Dabei waren alle Bands, die sie in diesem Jahr auf Tour begleitet hatten.

In diesem Jahr bestanden „die Toten Hosen“ ganze zwanzig Jahre. Da war es mal wieder Zeit, eine neue „Best-of“ Platte „Reich und Sexy 2 - die fettesten Jahre“ zu veröffentlichen. Mit ihren größten Hits der letzten 10 Jahre waren auch 4 neue Songs darauf, von den „Frauen dieser Welt“ im Oktober ausgekoppelt wurde.

Vom Düsseldorfer Fotokünstler Andreas Gursky und dessen Frau Nina Pohl ließen sich die „Hosen“ für das Cover zusammen mit über 80 Fotomodels nackt ablichten.

Zu der „Best-of“ Platte brachten sie die gleichnamige DVD, mit den tollsten Videos der Bandgeschichte, heraus. Dazu gaben die „Hosen“ zu jedem der 28 Videos einen Kommentar ab.

Außerdem veröffentlichen sie den Bildband „Ewig währt am längsten – DTH in Farbe und schwarz-weiß“.

Im November des Jahres spielten sie wieder in ihrer zweiten Heimat Buenos Aires. Bis zum Ende des Jahres setzten sie dann ihre „Auswärtsspiel“ Tour in Deutschland und in der Schweiz fort.

Durch das viele Touren sollen am Ende des Jahres insgesamt eine halbe Million Zuschauer die „Hosen“ live gesehen haben. Damit deutet alles darauf hin, dass diese Tour die erfolgreichste Tour der Bandgeschichte war.


Die ersten Monate des Jahres 2003 nahmen sich die „Hosen“ Zeit, um sich nach dem erfolgreichen verstrichen letzten Jahr mal „auszuruhen“. Ihre beiden Alben, die sie im letzten Jahr veröffentlich hatten, bekamen beide Platin.

Im Frühjahr schauten sie aber wieder in den „Probenraum“ hinein, um für das kommende Album neue Songs zu schreiben.
Im Oktober spielten sie zwei „schweißtreibende“ Gigs in Leipzig und gingen dann für drei Auftritte nach Buenos Aires. Als erstes spielten sie ihr erstes „Wohnzimmerkonzert“ auf Südamerikanischen Boden. Zum zweiten spielten sie noch ein Konzert im traditionsreichen „Luna Park“ und zum Abschluss auf dem „Quilmes-Rock-Festival“.

Als sie wieder zu Hause waren, wollte die Band unbedingt wieder ins Studio, um das aufzunehmen, was sie gerade „auf dem Kasten hatten“.

2004

Daraus wurden 4 Songs einer EP, die im Februar 2004 unter dem Namen „Friss oder Stirb“ erschien. Diese Single war etwas für die Freunde des härteren Hosen-Sounds. Der Text bezog sich auf die damals aktuelle Situation in Deutschland. Ein weiteres Highlight war der Song "Goodbye Garageland" auf der EP. Dieser Song war eine Hommage an Joe Strummer, den verstorbenen Frontmann der englischen Band "The Clash", welche eine der Lieblingsbands der Hosen ist. "Campino: "Joe Strummer war einer der wirklichen Helden, der es nicht nötig hatte, sich irgendwo anzubiedern oder an den Zeitgeist zu klammern. Es hat mir viel Spaß gemacht, dieses Stück zu schreiben, auch weil Vom endlich mal bei einem Text mitmachen konnte."" (Zitat: Bandbiographie von der Bandhomepage www.dietotenhosen.de)

Nach Pfingsten ging es auf eine kleine Osteuropa-Tour nach Sofia (Bulgarien), Belgrad (Serbien) und Zagreb (Kroatien).

Danach waren wieder die großen Festivals wie "Rock am Ring" oder "Rock im Park" an der Reihe. Diesmal wurde es mit einem Magical-Mystery Gig auf dem Parkplatz vor dem eigentlichen Auftritt begleitet.

Und schließlich wurde in Berlin mit Regisseur Philipp Stölzl der Video-Clip zur neuen Single "Ich bin die Sehnsucht in Dir" gedreht.

Das alles geschah aber nicht einfach so, sondern in Begleitung eines Kamerateams. Dieses sollte dokumentieren, "wie die Hosen nach all den Jahren mit dem Rock´n´Roll-Zirkus umgehen" (Zitat: Bandbiographie von der Bandhomepage www.dietotenhosen.de). Daraus entstand die 16 Folgen lange Sendung "Friss oder stirb - Die TV-Show der Toten Hosen", die auf MTV gezeigt wurde. In dieser Sendung konnten sich auch Fans bewerben, um einen Magical-Mystery Gig der Hosen bei sich zuhause zu gewinnen. Sieger wurden 4 Studenten, die zusammen in einer Studenten-WG in Pirmasens wohnten. Außerdem zeigten sie in der Sendung ihre wichtigsten Stationen zwischen Düsseldorf, London und Ibiza, entdeckten für sich das Fallschirmspringen, gingen Zelten und spielten Tennis mit ihren Freunden von den "Donots". Vor allem Voms englischer Humor, die trockenen Sprüche von Faust und das Video-Archiv von Andis Mutter gaben dem Ganzen noch den letzten Schliff.

Im Oktober erschien dann endlich das lang ersehnte neue Album "Zurück zum Glück" mit insgesamt 15 neuen Songs. "Campino: "Wir wollten uns selbst beweisen, dass wir noch ein Brett fahren können. Gleichzeitig wollten wir aber auch Grenzen sprengen und uns an Neuland rantrauen, das wir früher nicht betreten hätten. Das Ganze soll wirklich keine Grundaussage oder etwas Wegweisendes haben. Ich bin schon glücklich, wenn bei manchen Liedern gesagt wird: So wie die das beschreiben, so fühle ich mich auch, das kann ich nachvollziehen."" (Zitat: Bandbiographie von der Bandhomepage www.dietotenhosen.de). Im November schrieb der "Rolling Stone" über das Album: "Denn mindestens seit 'Opium fürs Volk' ist den Düsseldorfern kein so rundum überzeugendes Album mehr gelungen. Und kein so hartes." Auch zur zweiten Singleauskopplung "Walkampf" von dem Album "Zurück zum Glück" brachte der "Rolling Stone" ein Kommentar, indem sie das Lied als "Volkslied auf Speed" betitelten. Die Bühne ertesten sie bei Konzerten in Polen.

Im Dezember ging es dann richtig los. Sie spielten den 1. Teil der großen "Friss oder stirb"-Tour. "Campino formulierte vorher seine Erwartungen an die Tour: "Ich möchte da auf keinen Fall einen 'Suzy Quattro für Arme' abgeben und immer wieder nur 'Alex' und 'Bommerlunder' spielen. Ich würde mich freuen, wenn die Leute schwitzen und sagen: 'Ich habe die Hosen jetzt zwölf Mal gesehen, aber das nächste Jahr fahre ich wieder hin!'"" (Zitat: Bandbiographie von der Bandhomepage www.dietotenhosen.de) Leider mussten mitten im Spektakel vier Konzerte verschoben werden, die im Sommer 2005 nachgeholt wurden, da Campino sich eine Nebenhöhlenentzündung eingefangen hatte.

Kurz vorm Jahreswechsel gab es aber noch ein beeindruckendes Finale: Nach der Flutkatastrophe in Südostasien wurde der letzte Gig in Berlin (zusammen mit dem Berliner Radiosender Fritz) zu einem Benefiz-Konzert für die Opfer der Katastrophe umgewandelt. Alle beteiligten Künstler und Teilnehmer verzichten auf ihre Gage. So kam am Ende eine Spende von 150.000-Euro zusammen für die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen".

Das Jahr ausklingen ließen sie mit den Bayern der Biermösl Blosn und Gerhard Polt, die sie für ein paar Konzerte begleiteten.

2005

Zu Beginn des Jahres trafen sich die Fünf wieder regelmäßig im Proberaum. Sie mussten sich ja für den zweiten Teil der "Friss oder stirb"-Tour warm spielen. Was sie aber vorher nicht wussten: Es wurde die erfolgreichste Tour in diesem Zeitraum. "Campino: "Wir haben einerseits unheimlich viele Treuebeweise von den alt gedienten Hosen-Supportern bekommen, anderseits feststellen dürfen, dass unheimlich viele junge Leute bei den Konzerten waren. Dass viele Menschen zum ersten Mal zu unseren Konzerten kommen, finde ich genauso wichtig, und das ist für uns auch eine Motivation."" (Zitat: Bandbiographie von der Bandhomepage www.dietotenhosen.de)

Dieses Jahr standen auch wieder Festivals an, die leider die meiste Zeit im Regen stattfanden. Die "Hosen" bekamen die Möglichkeit, im zweiten Jahr hintereinander bei "Rock am Ring" zu spielen, da der eigentlich Headliner "Limp Bizkit" kurzfristig absagte. Dabei verlieh Gastgeber Marek Lieberberg ihnen das Hausrecht, jederzeit wiederkommen zu dürfen und sie.

Campino und Andi konnten den Fußball aber auch nicht links liegen lassen, trotzt dem vollen Terminkalender machten sie einen Zwischenstop in der Türkei, wo sich der FC Liverpool den Champions-League-Titel im Elfmeterschießen sicherte. Campino flog danach sogar zum Feiern noch nach Liverpool weiter, ließ aber vorher ausrichten, dass das geplante Konzert in Würzburg stattfinden würde.

Beim "Live-8"-Benefiz-Konzerten von Bob Geldof in Berlin und Edinburgh durften die Hosen auch nicht fehlen. Wobei das Konzert in Berlin zu einer besonderen Herausforderung wurde, da der kostenlose Open-Air-Auftritt nachmittags vor 250.000 Zuschauern an der Siegessäule stattfand, abends aber noch 14.000 Fans in der Kölnarena auf das Nachholkonzert vom Dezember 2004 warteten. Wie die "Hosen" aber sind, haben sie beides unter einen Hut bekommen und standen pünktlich auf der Bühne (und das, obwohl ihnen auf dem Köln-Bonner Flughafen Bayern-Manager Uli Hoeneß über den Weg gelaufen war). "Campino: "Und dann haben die Toten Hosen ihn belagert! Ich bin dann auch noch hin und habe gesagt: ,Herr Hoeneß, ich wollte sie immer schon mal treffen.' Da gab er mir ganz unsicher die Hand und wusste nicht, ob ich ihn veräppeln wollte oder ob es die Wahrheit war. Es blieb eine ganz strange Begegnung."" (Zitat: Bandbiographie von der Bandhomepage www.dietotenhosen.de)

Der absolute Höhepunkt, seitdem es Band gab, war ihr erstes Konzert im Sitzen, nämlich das Unplugged-Konzert im Wiener Burgtheater, welches anschließend auf CD und DVD ("Nur zu Besuch: Die Toten Hosen Unplugged") erschien. Für dieses Konzert holten sie auch Unterstützung ins Boot: den Cellisten Raphael Zweifel und die Pianistin Esther Kim. Campino sagte hinterher: "Ich habe wirklich nie daran gezweifelt, dass wir das schaffen würden, unseren Liedern eine andere Note zu geben und dass wir Dinge aus diesen Liedern rausholen würden, die vielleicht sonst nicht zu hören sind. Es gibt ja Leute, die sagen, dass die Toten Hosen eine reine Party-Band sind. Ich habe das nie nachvollziehen können, weil für mich auch immer eine grüblerische Seite da war."" (Zitat: Bandbiographie von der Bandhomepage www.dietotenhosen.de)

Nur eine Woche später nach dem klassischen Gastspiel stand das Tourfinale an, welches direkt vor ihrer eigenen Haustür stand fand, nämlich in Düsseldorf in der LTU Arena. Als Vorband spielten die "Beatsteaks" und "El*ke". 50.000 Fans sahen Highlights, wie zu Beispiel Voms Vater für "Blitzkrieg Bop" am Mikrophon.

Um das arbeitsintensive Jahr endgültig komplett zu machen, gingen sie im Herbst für drei Konzerte nach Argentinien, wobei diesmal als Unterstützung die Beatsteaks mit im Gepäck waren. "Campino: "Man fährt da immer hin und denkt: "Hoffentlich wird es noch mal wie letztes Jahr!' Und ich bin auch gar nicht davon ausgegangen, dass man das noch toppen kann. Aber ich hatte das Gefühl, dass das diesmal noch verrückter war als sonst."" (Zitat: Bandbiographie von der Bandhomepage www.dietotenhosen.de)

Zum Jahresende wurde es besinnlich, aber auch nicht wirklich leiser: Die "Hosen" traten zusammen mit ihren alten Freunden Gerhard Polt und den Biermösl Blosn auf die diversen Theaterbühnen dieser Republik auf, um ihr vorweihnachtliches Stück "Abvent" zu präsentieren. Das Vortragen eines persönlichen Gstanzls (bayerisch-österreicherischer Spottgesang, vorwiegend im Drei-Viertel-Takt, auch bekannt unter Vierzeiler, Schnaderhüpfl oder Trutzgsangl) brachte bei diesen Auftritten einen besonderen Höhepunkt.

Im Jahr 2006 stand erst mal ein längerer Bandurlaub im Vordergrund und die Fußball-Weltmeisterschaft.


2006

2006 genehmigten sich die "Hosen" zum ersten Mal in 24 Jahren ein ganzes Jahr „Bandpause“. Aber das hieß noch lange nicht, dass alle Bandmitglieder gar nichts taten. Das Energiebündel Vom stand in diesem Jahr regelmäßig mit seinen Zweitbands auf der Bühne, der Hobbykoch Kuddel war genauso häufig am Küchenherd wie im Proberaum, die Weltumsegler Breiti und Andi reisten jeweils ein bisschen um die Erdkugel und Campino spielte Theater im Berliner Admiralspalast.

Dort spielte er den Mackie Messer in der „Dreigroschenoper“ von Bertolt Brecht, inszeniert von Klaus Maria Brandauer. Da das Stück sehr großen Erfolg aufwies, ging es sogar in die Nachspielzeit. Neben Campino spielten in dem Stück auch bekannte Schauspieler wie Katrin Sass, Gottfried John oder Birgit Minichmayr mit. Bei den Proben war Die Süddeutsche Zeitung dabei und schrieb anschließend: „Wer einen Radaubruder mit Starallüren oder den Rotzattitüden eines notorischen Punks erwartet hatte, kommt aus dem Staunen über diesen liebenswürdig-charmanten, sich stets bescheiden im Hintergrund haltenden und mit kindlicher Begeisterung ins Team fügenden ‚Punkrocker’ nicht heraus. Campino ist schlicht zum Verlieben.“

"Campino selbst sagte hinterher: „Wir hatten einen schwierigen Start, aber das Stück ist mit der Zeit immer besser geworden, von der Premiere an. Es wurde auch verlängert und wir haben es geschafft, den Admiralspalast 45-mal auszuverkaufen. Das ist bei über 70.000 verkauften Tickets ein riesiger Erfolg für ein Theaterstück.“" (Zitat: Bandbiographie von der Bandhomepage www.dietotenhosen.de) Campino sagt trotzdem immer, dass er jetzt nicht zum Theaterschauspiel umsatteln möchte, sondern froh ist, eine "Hose" zu sein.

2007

Dieses Jahr sollte ein ganz besonderes Jahr werden, den die "Hosen" feierten ihr 25-jähriges Bestehen. Zunächst verlängerten sie aber erst mal ihre Bandpause. Aber irgendwann konnte sie nicht mehr die Füße still halten. Während Andi und Breiti weiterhin um die Welt reisten, richtete sich Kuddel ein kleines Heimstudio ein und kümmerte sich um lokale Nachwuchsbands und Vom ignorierte ebenfalls weiterhin die "Bandpause" und zog weiterhin mit seinen Nebenbands um die Häuser. Wahrscheinlich war er in Bandpause genauso unterwegs wie in einem normalen Bandjahr.

Vielleicht wäre die Band auch schon etwas früher in den Proberaum zurückgekehrt, wenn Campino nicht überraschende ein Angebot erreichte, dass er nicht ausschlagen konnte. Regisseur Wim Wenders bot ihm die Hauptrolle in seinem neuen Film "Palermo Shooting" an. In der Tragikomödie geht es um einen 40-jährigen Fotografen in einer Lebenskrise, der durch Zufall in Palermo strandet und dort das Leben und die Liebe wiederentdeckt. Die Dreharbeiten fanden im Herbst zunächst in Düsseldorf und Essen statt und gingen dann weiter auf Sizilien. Mitwirkende waren unteranderen Hollywood-Stars Dennis Hopper und Model und Schauspielerin Milla Jovovich sowie den Musik-Legenden Lou Reed und Patti Smith.

Bevor Campino die Kinoleinwand stürmte, hatte sich noch ein anderer alter Freund gemeldet: Bob Geldof. Seit vielen Jahren machte er auf die schwierige politische Situation in Afrika aufmerksam und vermittelte den "Hosen" eine Reise durch das Herz des ärmsten Kontinent und somit überzeugend sich Campino, Breiti und Andi pünktlich vor dem G8-Gipfel in Heiligendamm vor Ort von der aktuellen Situation. Sie bereisten Uganda, Sambia und Malawi, tausende Kilometer in Flugzeugen, Minibussen und Jeeps. "Andi sagte hinterher: "Dass praktisch ein ganzer Kontinent brennt, interessiert die Weltgemeinschaft herzlich wenig. Das halten wir für einen Skandal. Die G8-Länder haben die Macht, diesen Zustand zu ändern. Und uns liegt viel daran, dass sie es in Zukunft auch wirklich tun werden."" (Zitat: Bandbiographie von der Bandhomepage www.dietotenhosen.de) Sie spielten während des G8-Gipfels in Heiligendamm beim "Deine Stimme gegen Armut"-Konzert in Rostock mit, welches ihr einziger Auftritt während der Bandpause war und Campino stand außerdem gemeinsam mit Bob Geldof, Youssou N´Dour und Bono auf der Bühne.

Ende des Jahres knöpften sich die Hosen ihre alten Platten vor und unterzogen sie einer Totalrenovierung. Alle 17 Alben, die sie von 1983 bis 2002 herausgebracht hatten, wurden wiederveröffentlicht, aber natürlich nicht einfach nur so, sondern versehen mit jede Menge Bonustracks. Es wurde ewig in den Archiven gewühlt, um an die Druckvorlagen, die teilweise schon über zwanzig Jahre in irgendwelchen Kellern lagerten, heranzukommen.

Ein weiteres Highlight kennzeichnete dieses Jahr: Sie bekamen ihrere eigene SingStar - Edition.

Aber damit war noch nicht genug. Im Dezember wurden sie von "Eins Live" mit der "Krone" fürs "Lebenswerk" ausgezeichnet. Die Ex-Schlagzeuger Trini und Wölli nahmen mit der Band den Preis in der Bochumer Jahrhunderthalle entgegen. Die Laudatio hielt Schriftsteller Jan Weiler - und Campino sagte in seiner Dankesrede: "Wir haben es am Alter von Jopi Heesters ausgerechnet: Wir könnten die ersten sein, die den Preis zweimal gewinnen. Daran arbeiten wir."

2008+2009

Um sich für die Bühne wieder fit zu machen spielten die "Hosen" am 27. Mai in Hamburg und am 28. Mai in Berlin sowie bei "Rock am Ring" und "Rock im Park" und stellte dieses unter den Motto „Hals + Beinbruch Tour '08“, da sich Campino Anfang Mai den rechten Fuß gebrochen hatte. Dieses "Tour" brachten sie dann auch als DVD raus.

Endlich kam auch wieder eine Meldung aus dem Studio, welches "In aller Stille" getauft wurde. Erscheinungstermin wurde der 14. November 2008. Davor wurde noch die Single "Strom" im Oktober 2008 veröffentlich. Für das Stück "Auflösen" holten sie sich die Österreichische Schauspielerin Birgit Minichmayr dazu.

Die Tour passend zum Album nannte sich „Machmalauter“, die im November 2008 begonnen haben und bis Weihnachten 2009 laufen soll, mit kleiner Pause zum Jahreswechsel und vom Sommer bis Weihnachten.

Zudem haben Esther und Raphael nicht nur beim Album mitgewirkt, sondern sie begleiteten alle Veranstaltungen der aktuellen Tour. In Leipzig präsentierte die Band den Song "Gary Gilmore’s Eyes" zusammen mit T. V. Smith.

Im März 2009 koppelten sie die zweite Single "Alles was war" aus dem Album "In aller Stille" aus und brachten im April das Album noch mal in einer argentinischen Version raus.