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Der "wahre" Heino
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Der "wahre"...

...Heino

Norbert Hähnel verwandelte sich das erste Mal in den „wahren Heino“ auf einem Punkfestival in Berlin Kreuzberg. Er hatte sich die Haare weißblond gefärbt und die legendäre Sonnenbrille aufgesetzt. Genau bei diesem Festival spielten auch die „Hosen“, die ihn so toll fanden, dass sie ihn direkt als ihren Frontsänger engagierten.

Dann gingen sie zusammen auf Deutschlandtour, wo abends zwischen 600 bis 700 „punkfreundliche“ Jugendliche dabei waren. An diesen Abenden hörte man sich die Punkversionen von „blau blüht der Enzian“ oder „Karambo Karacho“ an. Doch die EMI fand das gar nicht so toll, denn sie hatte auch Heinz-Georg Kramm alias „Heino“ unter Vertrag.

Dass der „wahre Heino“ in kleinem Umfeld wie Punkbars und Hinterhöfe seine Nummer „abzog“, fand die EMI ja nicht ganz so schlimm. Aber vor seinen Auftritten erzählte er immer diese Geschichte, die von seiner Wandlung vom deutschen Schlagersänger zum Punk handelte: „Im schwarzen Armenviertel von Johannesburg / Südafrika habe er eine „Negerkapelle“ kennen gelernt und wolle mit ihr eine LP aufnehmen, als Wiedergutmachung dafür, dass er sich so oft habe von weißen Rassisten feiern lassen. Seine Plattenfirma EMI habe ihm jedoch dieses Vorhaben verboten, ergänzt Manager Raff Blendax (der des echten Heino heißt Ralf Bendix), da es ihr nicht ins Konzept passe. Heino sei über diesen Vorfall und die Beschneidung seiner persönlichen, künstlerischen Freiheit so verärgert gewesen, dass er der EMI fristlos gekündigt und sich nach Berlin-Kreuzberg abgesetzt habe.“ (Zitat: Punkrock made in Germany von Andrea Müller)

Die Reaktion, auf diese Geschichte, von der Plattenfirma EMI sah folgendermaßen aus: Der echte Heino und die EMI schalteten ein Anwalt ein, der dem „wahren Heino“ verbot, unter diesem Namen weiter Musik zu machen. „Wenn er es nicht machen würde, droht ihm eine Strafe von 500.000 DM“. Er ignorierte aber den Gerichtsbeschluss und sang weiter unter diesem Namen. Seine Geschichte vom „Schlagersänger zum Punk“ erzählte er ebenfalls weiter. Bei jeden Konzert hangen sie am Eingang den Gerichtsbeschluss mit der vollständigen Adresse des echten Heinos aus, wo die Fans ja mal hingehen könnten, um ihm „eins richtig auf die Nuss zu geben“, wie der „wahre Heino“ es seinen Fans riet.

Natürlich wollte der „wahre Heino“ alias Norbert Hähnel, seinen Namen nicht kampflos aufgeben.

Die Plattenfirma sagte, solange sich die Geschichte um den „wahren Heino“ nur im üblichen Umfeld abgespielt hatte, sei es ihnen ja egal gewesen. Aber das er jetzt in Talkshows auftrat und auf Plakaten „die Toten Hosen und Heino“ stand, wodurch sogar Leute in die falschen Konzerte gingen, ginge zu weit.

Heinz-Georg Kramm verlor kurz nach dem Hosen-Skandal seinen Vertrag, mit der offiziellen Begründung, dass er sich der Lächerlichkeit preisgeben hätte und der Plattenverkauf nachgegeben hätte.

Der „wahre Heino“ verlor den Prozess, bei dem alle seine Anhänger mit weiß blonder Perücke und Schwarzer Sonnenbrille „aufgekreuzt“ waren, gegen den echten Heino. Er muss 20 Tage ins Gefängnis oder 15.000 DM in bar plus die Gerichtskosten zahlen. Das Geld hatte er natürlich nicht und ging lieber in das Gefängnis, lies sich aber vorher noch richtig verabschieden.

Das Abschiedskonzert vom „wahren Heino“ fand im Berliner „Tempodrom“ unter dem Motto: „ Lieber ein Ende ohne Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende“ statt. Dieses Konzert ging ganze 12 Stunden, wo die ganze Punkszene im Bier- und Pogorausch „abfeierte“. Nicht nur die „Hosen“ spielten auf diesem Konzert, um sich von ihrem „wahren Heino“ zu verabschieden, sondern auch die alten Todfeinde von den „Hosen“, „die Ärzte“. Sogar „ZK“ ließen sie für dieses Konzert auferstehen. Mit diesem Konzert wurden nicht nur die Prozesskosten abgedeckt, sondern Norbert konnte seine Berliner Kneipe „Scheißladen“ renovieren.

Nach 20 Tagen wurde er wieder aus dem Gefängnis entlassen und wird von Freunden mit weiß blonden Perücken und Sonnenbrillen im Leichenwagen abgeholt. Er fand sein Urteil ungerecht.

Jahre nach seinem Verbot unter dem Namen „der wahre Heino“ Musik zu machen, trat er noch mal kurz ins Rampenlicht: Er bewirtschaftete als Hauptberuf den Szene-Treff „Enzian“ in Berlin-Kreuzberg, gründete gemeinsam mit Bela B. von den „Ärzten“ die Kneipe KPDRZ (Kreuzberger Patriotische Demokraten Realistisches Zentrum) und kandidierte für die Wahl des Bürgermeisteramts in Berlin, natürlich ohne Erfolg.